LS7 Home

Prädikat sehr empfehlenswert!
oder:
woanders Fliegen ist eine tolle Erfahrung

Ich habe Ende April 2004 als Flugschüler in Unterwössen am Chiemsee (Bayern) angefangen. Mit Martin Schreiber hatte ich einen super Gastfluglehrer, der mich in nur wenigen Tagen zum Alleinflug führte. Der Schulbetrieb in Unterwössen hat mir sofort gut gefallen und ich habe schnell und viel gelernt. Im Gegensatz zu meinem ersten Versuch vor 20 Jahren der in einer großen Enttäuschung endete.
Es folgten einige Soloflüge in K13 und K8 und danach meistens im Blanik. Mit dem Blanik machte ich auch meine F-Schlepp Schulung. Bevor ich nach USA fuhr, absolvierte ich noch einige Soloflüge mit der K-21. Meine Soloflugzeit betrug etwa 12 Stunden, bei insgesamt 80 Starts. Geflogen war ich bisher ausschließlich in Unterwössen.
Mit dieser Flugerfahrung erkundigte ich mich via eMail bei einer kalifornischen Flugschule (Great Western Soaring School) ob man als Gastschüler dort einige Runden drehen könnte. Ich erhielt die Information, das man ein 'Student Pilot Certificate' benötigt (wenn man alleine Fliegen will), die man bei sogenannten 'Flight Standards District Office's' bekommt. Und die gibts an fast jedem Verkehrsflugplatz.
Und wirklich, es ist kein Problem. Termin machen, Ausweis mitbringen und Certificate ausgestellt bekommen. Unbürokratisch und schnell und kostenlos (zumindest wenn man nur Segelflieger fliegen will). Kann man das trotz 9/11 glauben?

Ein Gesundheitszeugnis braucht man zum Segelfliegen übrigens nicht. Geflogen kann werden, bis man tot aus der Maschine kippt. Wie beruhigend!

Mit meinem neuen Ausweis rückte ich dann in der Mohave Wüste an. Der Flugplatz ist etwa 1,5-2 Stunden von Los Angeles entfernt.

Das Land ist so trostlos das es schon wieder schön ist. Aber die Weite beeindruckt.

Der Fluglatz besteht aus einem Container (für die Flugleitung), einem Windsack und einer Piste. Keine Hangars oder sonst was. Die Flieger werden einfach im Freien abgestellt und am Boden fest gemacht (bei 0 Regentagen im Jahr geht das wohl ...).

Und so sehen sie auch ein bisschen aus. Die Sonneneinstrahlung und die Sandstürme sind an ihnen nicht ohne Schaden vorbeigegangen. Auch die Art zu Landen erhöht die Abnutzung sicherlich stark. Aber davon später mehr.

Dale (der Fluglehrer, Bild rechts) und Fred (der Eigentümer, Nachnamen scheint's bei den Ami's nicht zu geben) begrüßten mich freundlich, denn eigentlich hatten sie geschlossen.

Aber wenn man sich anmeldet und unbedingt Fliegen will, geht das auch unter der Woche.

Wollte ich unbedingt? Aber klar doch!!!

Der beste und neueste Flieger, den die Schule hat, ist eine DG505, und die wollte ich natürlich fliegen. Also den Check gemacht, Flugzeug vom Boden losgeknotet, zum Start geschoben, Probegesessen ... passt.

Doch halt, wo ist der Schirm?

'Wir fliegen hier ohne Schirm', meinte Dale, 'also spring nicht raus'. Warum er mir später dann dennoch den Haubenabwurf erklärte, ist mir immer noch nicht ganz klar ... Und mit seiner Sonnenallergie sah er immer aus wie eine Mumie.

Und dann geht's ganz schnell, Höhenmesser auf 3420ft, Schleppmaschine eingeklinkt, Seil straff, mit dem Seitenruder gewackelt und los geht's. Die DG505 liegt mir gut in der Hand, die Anspannung löst sich und der F-Schlepp ist kein Problem. In der nächsten Stunde zeigt mir Dale wo man Aufwinde und Thermik suchen sollte. Einfach Klasse. Rauf geht's eigentlich überall. Alles was nicht mit mindestens 700ft/min hoch geht, wird ignoriert. Wer da nicht oben bleibt, lernt es nie.
Jedenfalls zeigte Dale sich angetan über den Stand meiner Ausbildung. Bei meiner geringen Flugerfahrung hätten die Lehrer in meiner Schule ganze Arbeit geleistet, meinte er.
Tja und dann: Wo ist eigentlich der Flughafen hingekommen? Von oben sieht es so aus, als ob es jede Menge davon gibt und ich muß ehrlich sagen, ich hätte nicht zurückgefunden. Erst wenn man weiß, wo man hinschauen muß, ist es kein Problem.
Wegen der zum Teil sehr starken bodennahen Winde wird dort ganz anders gelandet, als ich es von Unterwössen gewohnt war. Nix mit Abfangen und ausgleiten lassen. Sondern: Man landet in voller Anfluggeschwindigkeit auf dem Hauptrad. In diesem Fall waren es 65kn (120km/h).

Das fühlt sich gar nicht gut an und die Landung war auch dementsprechend hart. Durch den starken Gegenwind hätte ich es zudem fast nicht zum Platz zurückgeschafft. Hatte den Queranflug zu spät eingeleitet und kam gerade mal so ohne Klappen lang genug. Nachdem der Flieger steht meint Dale: 'Hast du super gemacht, darfst alleine Fliegen'. Wie bitte? Also mit so einer Landung würde man in Unterwössen eher zur Flugleitung gebeten.

Später mußte ich jedoch einsehen, daß die Landung wirklich passabel gewesen war - wenn man alle Schwierigkeiten bedenkt.

Weil ich die Landung aber nicht gut fand, hab ich es dann doch lieber noch zwei mal mit Dale versucht. Was ihn sicher beruhigt hat. Dabei mußte ich lernen, das es unmöglich ist, mit meinem Flugkönnen eine Punktlandung zu machen. Mal hat man keinen Wind, dann wieder 50km/h Gegenwind. Ein andermal zieht dann ein verträumter Dust Devil (eine Heuhexe ohne Heu) über die Piste. Da ist man schon froh, wenn man den Platz überhaupt trifft (geschweige denn die Asphaltpiste) und verringert ganz schnell seine Ansprüche. Ist die Asphaltpiste besetzt landet man im übrigen nicht auf Rasen, sondern auf einer Schotterpiste (incl. Schlaglöchern). Da spreißeln die Steine ganz schön weg beim Landen ...

Hab dann länger überlegt, ob ich es alleine mit einem Astir wagen soll. Ein etwas ungutes Gefühl war schon da , denn die Landebedingungen haben es in sich. Andererseits, wer nicht wagt, der nichts lernt ...

Also einen Astir CS klar gemacht. F-Schlepp ohne Problem. Bei 1100m über Platz ausgeklinkt und sofort einen schönen Bart gefunden. Eeeeeeehaaaaa, hier gehts rauf.

Aber wie hatte Dale zuvor gesagt: 'Was willst du den mit dem Bärtchen? Die 500ft/min sind doch Zeitverschwendung, such dir was Gescheites. Also dann: weiter in die Berge und überall rauf, rauf und noch weiter rauf, 1000ft/min und mehr.

Bin eine Stunde in den Bergen rumgeturnt, einfach super. An einem Berg Höhe gewinnen, Vollgas mit 100kn zum nächsten ... usw. So macht das richtig Spaß.

Tja und dann war da ja noch die andere Kleinigkeit: Landen! Das erste mal in einem Astir.

Gegenanflug Ok, Queranflug Ok, Endanflug sieht gut aus, steil komm ich runter, sehr gut, Geschwindigkeit stimmt, super, kurz vor dem Einschlag abfangen, sehr gut ... das bekomme ich doch noch etwas schöner hin ... noch einen Tick mehr Abfangen ... halt was ist das, der Astir steigt weg, vorsichtiges nachdrücken, wow was macht der Flieger jetzt wieder ... runter gehts und peng aufs Rad ... jetzt geht's wieder hoch ... ok der Flieger ist definitiv hin ... oder doch nicht? ... er fliegt ja noch ... und es geht noch härter ... peng noch einmal aus Rad ... sofort nachgedrückt und den Vogel brutal am Boden gehalten .... ok das war's jetzt aber wirklich mit dem Flieger oder zumindest mit dem Fahrwerk, dachte ich ...

Die Ami's sehen es locker ... nun ja 'etwas' zu hart vielleicht ... und das mit der Oszilation sah gefährlich aus, aber beim nächsten mal machst du es besser, meinte Dale ... denn: da hätten sie schon Schlimmeres gesehen ... hmmm

Ich kann es eigentlich immer noch nicht glauben, daß der Vogel das ausgehalten hat, aber wie der Schlepppilot später so hübsch meinte: 'Das zerbrechlichste an einem Flieger ist der Stolz der Piloten!' Und es wäre eben ein klassischer Fall von PIO (Pilot Induced Oszilation) gewesen, wofür der Astir eh berüchtigt sei ... hätten sie mir doch vorher erklärt, das mit der 'Pitch Sensitivity'. Wäre froh gewesen, wenn ich es auch vorher verstanden hätte.

Jetzt wurde mir auch klar warum die dort so fette Scheibenbremsen an ihren Fliegern haben. Die braucht man.

Dennoch war dieser Tag ganz was Besonderes. Und nachdem ich meinen Schreck wegen der Landung einige Tage später verarbeitet hatte, wollte ich natürlich sofort wieder hoch.

Am nächsten Flugtag hab ich dann nochmals eine Platzrunde in einer zweisitzigen Grob (die auch zum Oszilieren neigt) mit Dale gedreht und diesmal hatte ich das Gefühl die Sache besser im Griff zu haben.

Also nochmals in den Astir und diesmal war ich 2 Stunden unterwegs. Meine Herren, Thermik das einem die Ohren knacken, bei über 14000ft hab ich es dann gut sein lassen. Bin das ganze vorgelagerte Gebirge abgeflogen. So weit war ich noch nie vom Flughafen weg und so hoch auch nicht ... und dann zieht, zum greifen nahe, eine Verkehrsmaschine an mir vorüber ... mir war so, als ob der Kopilot gewunken hat. Aber bis ich meine Kamera in der Hand hatte, war sie schon vorbei.

Ganz schön schnell diese Biester.

Um die Höhe von ca 4000m über Platz loszuwerden (solche Probleme hätte ich gerne öfters), flog ich dann richtig weit raus in die Wüste (für meine Verhältnisse zumindest). Auf dem Boden sind die Straßen im typischen amerikanischen Schachbrettmuster angeordnet. 8mi Abstand.

Ich also schwer kopfgerechnet. Gleitzahl über 30 sollte ein Astir schon haben, bei 1000m wäre ich gerne wieder überm Platz, macht 1500m für einen Weg, macht ca. 45km Gleitweg, das sind nicht ganz 4 solcher Karos, macht bei 60kn etwa 25min in die Wüste raus. Hmmm, das ist ganz schön weit weg vom Platz, aber was für ein Anblick (siehe Fotos ganz oben)! Muß allerdings gestehen, das ich bei drei Karos die Muffe bekam und umdrehte.

Eine gute Landung (die keiner sah) krönte diesen Flug.

Wollte dann an einem anderen Tag nochmals Fliegen und mußte Lernen, das man alle Dokumente (Ausweis, Flugbuch, Certificate) dabei haben muß. Sonst ist's nix mit Soloflug.

Während einer ersten Platzrunde zum Eingewöhnen mit Fred erwähnte ich, das ich die Dokumente nicht mitgebracht habe. Daraufhin meinte Fred: 'Ja dann geht's leider nicht solo' aber ich könnte mit ihm hinten drin noch ein bischen fliegen.

Ich meinte: 'Schade eigentlich', hätte ich das vorher gewußt, hätte ich uns höher Schleppen lassen, denn jetzt wären wir ja eh schon im Gegenanflug. 'Ach wieso' meinte Fred, 'hier steigt's doch'. Eingedreht und schwups waren wir wieder hoch genug und ab ins Gebirge für eine Stunde.

Einfach genial.

PS: Der Astir war im übrigen eh grad zur Reparatur. Irgendwer kam zu lang und stoppte den Flieger erst im Stacheldrahtzaun des Platzes. Ergebnis: Haube kaput.

So gesehen relativiert sich meine schlechte Landung wieder, und erklärt auch die Gelassenheit der Ami's - es geht immer auch noch viel schlechter!

Und dann hatte ich noch die Gelegheit bei den LA Giants mitzuspielen ... aber das ist eine andere Geschichte.

Philip, Safarihut, Joens

August 2004